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Liquid-Tether nun im BTCPayServer

Die Liquid-Sidechain von Blockstream erlaubt es, Bitcoin und Tether offchain zu überweisen. Transaktionen auf ihr sind schneller, privater und günstiger als auf der Bitcoin-Blockchain. Nun bringt Blockchain Liquid zur beliebten BitPay-Alternative BTCPayServer.

“Dies sind Lügen, mein Vertrauen in euch ist gebrochen, ich werde euch überflüssig machen.”

This is lies, my trust in you is broken, I will make you obsolete

— Nicolas Dorier (@NicolasDorier) August 18, 2017

Mit diesem Tweet begann die Geschichte des BTCPayServers. Am Ende der Blocksize-Kriege wollten einige Bitcoin-Unternehmen die Blockade mit SegWit2x lösen. Darunter war BitPay, jener größten Bitcoin-Zahlungsdienstleister, an den der Tweet von Nicolas gerichtet war.

Der BTCPayServer ist ein Open-Source-Instrument, das ungefähr das macht, was BitPay macht: Es erlaubt Usern, in einem Shop oder vor Ort Zahlungen in Bitcoin (und anderen Kryptowährungen) anzunehmen. Aber eben ohne einen Mittelsmann wie BitPay. Aus der Empörung über BitPay wurde eine Open-Source-Bewegung, die bald mehr Dynamik entwickelte als BitPay. Der BTCPayServer unterstützt neben Bitcoin optional bereits 12 Altcoins, ist kompatibel mit Full Nodes und Hardware-Wallets, und erlaubt auch Lightning-Zahlungen.

Es ist ein wenig wie Linux gegen Windows.

Liquid-Tether

Nun bringt Blockstream Liquid in den BTCPayServer. Liquid ist eine sogenannte Sidechain. Bitcoins werden auf der Bitcoin-Blockchain eingefroren und können auf der Liquid-Sidechain bewegt werden. So können Zahlungen skalieren, ohne die Blockchain zu belasten, und es können neue Features integriert werden, ohne das Basis-Protokoll zu verändern, beispielsweise eine bessere Tokenisierung oder privatere Zahlungen durch Confidential Transactions. Diese enthalten zwar weiterhin die Information, welche Adresse an welche etwas sendet, verschleiern aber den versendeten Betrag.

Gesichert wird die Liquid-Sidechain durch ein von Blockstream entwickeltes Konsens-Verfahren, das Transaktionen bereits nach etwa zwei Minuten finalisiert. Das Verfahren benutzt Multisig-Skripte; es ist milde ähnlich wie der Konsens von Ripple, allerdings ist die Validierung der Transaktionen nicht offen und frei, sondern einem überschaubaren Kreis an Unternehmen vorbehalten, die im Liquid-Konsortium sitzen. In diesem Artikel erfahrt ihr mehr darüber wie die Liquid-Sidechain technisch funktioniert.

Durch Liquid haben User, schreibt Blockstream in der Ankündigung, “auch die Option, tokenisiertes Fiatgeld wie USDt [Tether] auszugeben anstatt der kostbaren L-BTC”. L-BTC bedeutet “Liquid Bitcoin”. Einen Zugang zu Bitcoin und Tether auf der Liquid Sidechain bekommt man als User am einfachsten duch Green, eine von Blockstream entwickelte Wallet.

Für Blockstream bedeutet das eine Menge. CEO Adam Back tweetet:

Übersetzung: “man kann nun bei @BTCPayServer Shops Liquid $USDt (und L-BTC) annehmen und ausgeben. stack sats, gebe USD aus mit Liquid USDt, der libra killer mit confidential transactions :)”

Noch deutlicher wird der CSO Samson Mow:

“Jedes Assets auf dem #LiquidNetwork kann jetzt bei Zehntausenden von @BtcpayServer Händlern auf der ganzen Welt akzeptiert werden. Stablecoins wie Liquid @Tether_to $USDt, @BullBitcoin’s L-Cad, und @listreserve’s AUDL sind jetzt ein Zahlungsmittel für den Einzelhandel. #DasSpielHatSichGedreht”

Tatsächlich sind die Tether-Dollar auf der Liquid-Sidechain eine Lösung für viele Probleme von Bitcoin. Sie sind schneller bestätigt als Bitcoins auf der Bitcoin-Blockchain – Börsen können sie schon nach ein bis zwei Minuten akzeptieren -, dank Confidential Transactions privater, durch die laut Blockstream besser skalierende Sidechain auch günstiger, und, weil es keine Bitcoins, sondern Dollar-Token sind, auch nicht mehr so volatil. Sind damit alle Voraussetzungen erfüllt, um im Mainstream durchzustarten?

Wo ist Bitcoin hin?

Andererseits … hat das noch etwas mit Bitcoin zu tun? Der Plan war eigentlich, dass Bitcoin eine Art Währungsreform auslöst, dass es zu Geld – also zu einem Zahlungsmittel – wird, was mit Offchain-Methoden wie Liquid und Lightning nun vielleicht auch wieder möglich wird. Ist es da nicht kontraproduktiv, nun doch wieder Fiatgeld zu akzeptieren und auszugeben, was verlangt, dass man Kaufkraft nicht in Bitcoin, sondern in Dollar aufbewahrt? Ist das nicht genau das Gegenteil von dem, was angedacht war?

Anders als das native Token einer Blockchain – also Bitcoin – trägt ein Stablecoin kaum etwas zu deren Stabilität bei. Um sicher zu bleiben, braucht Bitcoin starke Miner; wenn der Bitcoin-Preis steigt, verdienen die Miner mehr und können stark bleiben. Stablecoins helfen ihnen allenfalls dadurch, dass User Gebühren bezahlen, um damit Transaktionen zu machen. Mit einer Sidechain wie Liquid gehen diese Transaktionsgebühren aber nicht länger an die Miner, sondern an die Teilnehmer eines Konsortiums. Diese konkurrieren mit den Minern um die Einnahmen aus der Validierung digitaler Zahlungen. In gewisser Weise untergraben sie damit die langfristige Sicherheit des Systems.

Auch technisch oder politisch drücken die Liquid-Tether eher das Gegenteil von dem aus, was Bitcoin darstellt: Die Software ist zwar Open-Source, wird aber von einem Unternehmen geleitet, das auf sie (defensive) Patente hält; das System ist nicht mehr erlaubnisfrei, da nur ausgewählte Partner einen Superknoten betreiben können, der Transaktionen validiert und Gebühren einnimmt.

Es kann natürlich sein, dass die Tether-Dollar als ein trojanisches Pferd gedacht sind. Dank der Atomic Swaps auf der Liquid-Blockchain kann man Tether ohne Zwischenmann gegen Bitcoin tauschen; die Integration auf derselben Blockchain wird es sehr einfach machen, in einer nahen oder fernen Zukunft technisch von Dollar auf Bitcoin umzusatteln. Die Liquid-Blockchain schließlich ist ja nur eine Sidechain, die Leute benutzen können, aber nicht müssen; sie schützt die Mainchain davor, durch Transaktionsspam beschädigt zu werden.

Aber ob das wirklich ausreicht, um einen Schritt rückwärts zu einem Schritt nach vorn zu machen?